19. September 2026
Ich habe einen bösartigen Tumor, weshalb mir in ein paar Wochen die Prostata entfernt wird. Der Tumor hat eine geringe Aggressivität (Gleason 3+4=7), aber ist an zu vielen Stellen (8/18, beidseitig) – daher bin ich in der mittleren Krebs-Risikostufe. Das bedeutet, dass ich Entscheidungen treffen muss – und nicht einfach zuwarten kann.
Jeder Weg von hier hat Konsequenzen. Dabei geht es vor allem um die Entscheidung zwischen Bestrahlung und Extraktion. In beiden Fällen verliere ich meine Zeugungsfähigkeit.
Ich habe mich für die empfohlene Operation entschieden. Rational ist das stimmig; emotional ist es eine komplett andere Nummer. Es ist schwierig, mich überhaupt als Krebspatient zu verstehen: ich habe keine Schmerzen oder Symptome. Nur durch die Gewebeproben ist klar, dass in mir ein Tumor ist, der zerstörend in alles umliegende Gewebe streuen möchte.
Meine Trauer kommt in Wellen. Ich hatte das nicht kommen sehen. Ich war die Stunden im Krankenhaus durchgehend im Schock. Als ich danach im Café saß, ist das Adrenalin langsam runtergegangen, und die Gewissheit und Klarheit, und die erste Trauer kamen hoch. Ich bin ihnen mit Kulinarik begegnet: eine Zitronentarte. Vielleicht noch ein Kaffee? Hmm ja, und noch auch Topfentorte.
Danke allen, die mir seit Tagen helfen das zu reflektieren. Ich habe so liebevolle Nachrichten und Unterstützung bekommen, und weiß noch gar nicht wie ich damit umgehen kann. Meine Eltern zahlen die Kryokonservierung, was auch ein unglaubliches Geschenk ist.
Ich verstehe dass es um einen Bruch geht, der auch eine Öffnung darstellt. Dass ich durch den Stand der Technik trotzdem auch Kinder haben werde können, wenn das denn sein soll. Dass diese Diagnose in meinem Alter zwar selten, aber auch ein Geschenk ist. Dass die Umstände, die diese Diagnose ermöglicht haben, das größte Geschenk sind – mir wird übel wenn ich daran denke, wie “zufällig” ein nebensächlicher Arzttermin vor über 2 Jahren das alles ins Rollen gebracht hat – und wie es mir in zehn Jahren gegangen wäre, wenn der Tumor unentdeckt geblieben wäre.
Das ist das Leben, das mir gegeben wurde: Auf das es nur eine weitere Station in einer langen, reichhaltigen Biografie ist <3




























